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| Content | PRINT | | Jay Cross über informelles Lernen |
Berkeley, Januar 2006 - Ein Jahr lang hat Jay Cross zum Thema "Informelles Lernen in Unternehmen" geforscht. Nun hat der anerkannte Experte für Lerntechnologie, Performance Improvement und Organisationskultur erste Ergebnisse seiner Untersuchungen vorab in einer vertonten Präsentation veröffentlicht. Wer keine Zeit hat, sich den halbstündigen Vortrag anzuhören, hier die zentralen Aussagen.
Das Gebot der Stunde bringt Cross mit einem Zitat von Peter Drucker auf den Punkt:
"Transformation relevanten Wissens in angemessene Handlungen." Formelles Lernen sei dazu wenig geeignet. Denn es trägt weniger als 1% zur Verhaltensänderung bei.
Cross rechnet vor: Von allen Maßnahmen, mit denen sich das Verhalten von Mitarbeitern beeinflussen lässt, schlägt Lernen nur mit 10% zu Buche. Lernen erfolgt zu 80% auf informellen, zu 20% auf formellen Wegen. Nur 20% dessen, was in formellen Kursen gelehrt wird, hat tatsächlich Auswirkungen auf den Job. 20% von 20% von 10% = 0,4%.
Der größte Teil des Lernens erfolge auf informellen Wegen, der größte Teil von Aus- und Weiterbildungsbudgets fließe aber in formelle Maßnahmen. Cross: "Wenn wir im Zeitalter des Wissens nichts für informelles Lernen tun, überlassen wir alles dem Zufall. Das ist töricht und unverantwortlich. Ein besserer Mix muss her."

Cross unterscheidet zwei Arten des informellen Lernens. 1. "Rapid Informal Learning", geeignet, um das Wissen von "High Performers" aktuell zu halten. Als Techniken nennt er Fragen, Suchen, Abschöpfen, Beobachten, Abonnieren, Trial-and-Error. Als zweite Form nennt er "Deep Informal Learning", um Weisheit und Erfahrung abzugreifen. Techniken sind Reflexion, Mentoring, Storytelling, Fördern, Modellieren, Vernetzen und Feedback.
Er plädiert dafür, den Lerner in die Verantwortung zu nehmen bzw. ihm die Freiheit zu lassen. "Free-range Learners wählen, wie und was sie lernen. Self-service ist die billigere und zeitgemäßere Alternative."
Acht Tools für informelles Lernen stellt er vor.
1. Visualization: "Mit Text und Bild lernen wir doppelt so gut als nur mit Text. Viel zu viel Lernmaterial ist zu textlastig."
2. Conversation: "Konversation ist die mächtigste Lerntechnologie der Welt. Sie ist die Quelle und der Fluss des Wissens. Die Stammzelle des intellektuellen Kapitals. Schaffen Sie Raum dafür, oder Sie werden nicht überleben."
3. Virtual Connections: "Bauen Sie virtuelle Verbindungen auf! Das Ziel muss der vernetzte Mitarbeiter sein. Verbindungen zählen mehr als die Knotenpunkte."
4. Net Connections: Unternehmen funktionieren nicht nach Organigrammen. In jedem Unternehmen gibt es eine Schatten-Organisation, die nicht hierarchisch strukturiert, aber dennoch sehr mächtiger ist. "Durch Netzwerk-Analyse kommt man ihr auf die Spur und kann Engpässe und Schwachstellen erkennen."
5. Unconferences: "Schaffen Sie eine einladende Umgebung für Austausch!"
6. Internet Inside: Über ein Werkzeug, das die Mitarbeiter bereits kennen, nämlich den Internet-Browser, ist die Navigation durch ein Knowledge Management-System möglich. "Kreieren Sie Ihr eigenes Internet innerhalb der Firewall. Mit frei zugänglicher Software können Mitarbeiter ihre eigenen Informationen suchen, Reports analysieren und bloggen, RSS-Feeds abonnieren, Podcasts downloaden, über Instant Messaging kommunizieren."
7. Learning without limits: Formale Szenarien führen zu Tests oder Zertifikaten. Was erreicht wird, ist Menschen auf einen adäquaten Level zu heben. "Aber da ist kein Platz für mehr. Kein Platz, um wirklich die Performance-Schallmauer zu durchbrechen. Laut einem Personal-Recruiter bei Google ist ein hervorragender Techniker 250 Mal so produktiv wie ein normaler. Geben Sie Mitarbeitern die Möglichkeit zu höchster Performance und einige werden sie nutzen."
8. Getting better at Getting better: "Informelles Lernen ist natürlich. Es findet statt, wenn wir Menschen und Organisationen als lebende Systeme behandeln. Evolution triumphiert über Design. Weisheit über Intelligenz."
Den Schlusssatz überlässt Cross wieder Peter Drucker: "Nutzen Sie Veränderung als Chance, sehen Sie sie nicht als Bedrohung!"
Sein Buch über informelles Lernen in Unternehmen wird im Spätherbst 2006 erscheinen. Um bis dahin auf dem Laufenden zu bleiben, hat Cross einen Weblog mit angebundenem Wiki eingerichtet. Er hofft auf Diskussionen mit Unternehmen und will Tests in Organisationen durchführen, um tatsächlichen Nutzen nachzuweisen und weitere Trends aufzuspüren.
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