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| Wiki-gestützte Tutorien | PRINT | | Maßgeschneiderte Konzepte zum Einsatz digitaler Bildungsmedien |
Kaiserslautern/Köln, März 2010 - (von Monika Haberer, TU Kaiserslautern, Distance and International Studies Center / eTeaching Service Center) Universitäten und Schulen stehen heute vor der Herausforderung, neben klassischen Veröffentlichungen auch verstärkt den schnellen digitalen Zugriff auf Informationen für Studierende und Wissenschaftler ermöglichen zu müssen und damit das Lernen zu unterstützen. Am HOCHSCHULTAG 2010 steht Best Practice auf dem Programm, so beispielsweise das eTeaching Service Center der TU Kaiserslautern.
Das eTeaching Service Center (eTSC) ist seit seiner Gründung im Jahre 2006 die zentrale Anlaufstelle in eLearning-Fragen für Lehrende der TU Kaiserslautern. Der Service der Einrichtung umfasst die Beratung beim Einsatz digitaler Bildungsmedien in der Lehre sowie die aktive Unterstützung bei der didaktischen Konzeption und der technischen Umsetzung von eTeaching-Angeboten. Darüber hinaus versteht sich das eTeaching Service Center als Schnittstelle für eLearning-Aktivitäten und -Dienste auf dem Campus.
Konkret entwickelt das eTeaching Service Center in Zusammenarbeit mit den Dozenten der Hochschule kursbegleitende Online-Lernumgebungen unter Einsatz eines Learning-Management-Systems oder spezieller Social-Software-Lösungen, die für die jeweiligen Lernzwecke angepasst werden. Darüber hinaus bietet das eTSC einen Aufzeichnungsservice für Vorlesungen an, unterstützt bei der Erstellung interaktiver multimedialer Lernmaterialien und der Durchführung von eKlausuren und betreut studienrelevante Projektarbeiten von Studierenden.
Vor dem Hintergrund der Zielsetzung, mit dem Einsatz digitaler Bildungsmedien die didaktische Bandbreite zu erweitern und die Qualität der Präsenzlehre zu erhöhen, liegt der besondere Fokus in der Arbeit des eTSC auf der Berücksichtigung des individuellen Lehransatzes eines jeden Dozenten. Dabei stellt die Konzepterstellung eines online-gestützten Lehr-/ Lernszenarios ein zentrales Element in der Zusammenarbeit zwischen Dozenten und eTSC dar.
Grundlage der Konzeptentwicklung ist die Herausarbeitung des Innovations- und Optimierungspotentials, das die Einbeziehung von Online-Komponenten in die Lehre zu Gunsten der Studierenden in sich birgt. Auf strategischer Ebene wird dieser inhaltlich-didaktische Ansatz von der Hochschulleitung dahingehend gefördert, dass eLearning-Aspekte im Rahmen von Zielvereinbarungen mit neu berufenen Professoren eine konkrete Rolle spielen.
Wiki-gestützte Tutorien als Alternative zur Vorlesung:
ein Beispiel aus dem Fachbereich Biologie
Ein aktuelles Beispiel für Lehre mit maßgeschneidertem eTeaching-Konzept ist die Veranstaltung "Humanbiologie und Anthropologie" der Arbeitsgruppe "Humanbiologie und Humangenetik" unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Kins. Die ursprünglich klassische Vorlesung für Biologiestudierende im Grundstudium hat sich seit dem Sommersemester 2009 zu einem Veranstaltungsformat entwickelt, das verstärkt auf der Einbeziehung und aktiven Mitarbeit der Studierenden beruht.
Eine wesentliche strukturelle Veränderung besteht zunächst in der Teilung der Veranstaltung in einen Vorlesungs- und einen Tutoriumsteil. Die Betreuung der Erarbeitung und Vorstellung eines veranstaltungsrelevanten Themas in studentischen Kleingruppen bildet hierbei den Kern des Tutoriums.
Der Einsatz von Online-Tools ist für die Durchführung des neuen Veranstaltungsformat entscheidend: In das Veranstaltungsgeschehen wird ein Wiki zur Unterstützung der kollaborativen Themenerarbeitung eingeführt; die generelle Kursorganisation und -kommunikation (Gruppenbildung etc.) erfolgt über ein Learning-Management-System.
Der Umstellungsaufwand für Dozenten auf ein solches Veranstaltungsformat ist nicht unbedeutend: Im ersten Durchlauf der aktualisierten Veranstaltungsform wurden 150 Studierende in 47 Kleingruppen eingeteilt, die zu insgesamt zehn Themengebieten ein Unterthema erarbeitet haben. Als Resultat entstanden rund 140 Wiki-Seiten, die von den Dozenten des Lehrstuhls auf Inhalt und Qualität geprüft wurden, zumal sie Teil der Prüfungsleistung waren und die Vorraussetzung zur Klausurteilnahme darstellten.
Auch für die Studierende war diese Form der Veranstaltung eine Herausforderung: Die intensive Auseinandersetzung und Aufbereitung der Einzelthemen erforderte ein anderes Zeitmanagement als gewohnt und der Umgang mit dem Wiki musste erst gelernt werden.
Die kontinuierliche Unterstützung des eTeaching Service Center spielte in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.
Der Aufwand hat sich gelohnt: Die wiki-gestützte Arbeit hat zur intensiveren Auseinandersetzung der Studierenden mit den Inhalten der Veranstaltung beigetragen und die Erstellung einer Wissenssammlung ermöglicht, die den an der Veranstaltung beteiligten Studierenden und längerfristig auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann. Eine Studierender äußerte hierzu: "Ich denke, dass das Online-Angebot eine sehr schöne Idee war und neuen Wind ins Studium gebracht hat."
Für die nächsten Semester sind Anpassungen und Ausbaustufen des kollaborativen eSzenarios vorgesehen, in dem der Vorlesungsteil eine immer geringere Rolle spielt und durch Veranstaltungselemente wie Exkursionen ersetzt werden, während die Präsenzphasen und die Online-Arbeitsphasen für Studierende noch stärker miteinander verzahnt werden.
Erreicht werden soll damit beides: "neuer Wind im Studium" und Qualitätsverbesserung der Lehre.
Auf der didacta:
HOCHSCHULTAG 2010: Sich verändernde Lernorte in Schule und Hochschule: Digitale Medien für Lehre, Prüfungen und Publikationen, am Mittwoch, 17. März, 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr, Forum Hochschule trifft Schule, Halle 6
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