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| Diskurs | PRINT | | Open Source versus proprietäre Software |
Open Source ist konkurrenzfähig
von Dipl.-Ing. Manfred Postel, Geschäfts- führer der Open Source-Inititative CampusSource
Open Source-Softwaresysteme im eLearning-Bereich haben sich etabliert! Dafür gibt es eine Reihe von Belegen. Bei CampusSource sind aktuell über 4.000 Entwickler, Anwender und Nutzer registriert, die die Systeme weiter vervoll- kommnen. Aktuelle Veröffent- lichungen und Evaluationsstudien attestieren unseren Open Source-Systemen absolute Konkurrenz- fähigkeit, ja teilweise Marktführer- schaft, belegt im Ranking mit besten Platzierungen in nationalen und internationalen Studien.
Ein Grund für diesen Erfolg liegt im installierten Qualitätsmanagement. Unsere Systeme durchlaufen vor der Aufnahme in die Campus Source-Börse ein mehrstufiges Aufnahme- und Begutachtungsver- fahren, müssen definierte Kriterien erfüllen (u. a. Quellcode-Dokumen- tation, Installationsanleitung, modularer Aufbau) und den Support sicherstellen.
Die konsequente Verpflichtung, die Software unter die GPL (General GNU Public Licence) zu stellen und diese anzuwenden, ist für alle Systeme obligatorisch. Über 40 Firmen bundesweit bieten mittlerweile Support für die CampusSource-Systeme von der Hotline über schlüsselfertige Installationen mit anschließender Schulung bis hin zur Auftrags- programmierung.
Neben bekannten Argumenten, nämlich der entfallenden Lizenz- und Erwerbskosten auch für Updates, der geringen Anpassungs-, Erweiterungs- und Supportkosten, ist nach wie vor maßgebliches Argument der frei verfügbare Quellcode mit der Möglichkeit der Veränderung und der kostenlosen Weitergabe an Dritte.
Vorteile für Entwickler
Durch den Open Source-Ansatz bündeln und koordinieren die Entwickler und Mitentwickler ihre Anstrengungen, um Doppel- entwicklungen zu vermeiden, und erweitern und optimieren so ihre Entwicklungsressourcen. Sie profitieren gegenseitig von Bugfixes und Erweiterungen und nutzen die vorhandene Expertise der Community. Ich kenne kein anderes kooperatives Software-Entwicklungsmodell, das Ressourcen schonender ist – "meistens wird das Rad noch einmal erfunden".
Vorteile für Anwender
Als Anwender habe ich durch die quelloffene Software jederzeit die Kontrolle über meine Software-Infrastruktur, da ich mich an keinen kommerziellen Hersteller langfristig binden muss und den Quellcode besitze. Ich bleibe "bedingungslos" unabhängig auch bei möglicher Insolvenz des Herstellers und sichere damit meine Investition nachhaltig.
Insbesondere ist eine gute Anpassbarkeit an die jeweilige Organisation und damit an eigene Bedürfnisse und bestehende Software möglich. Unsere Erfahrungen bei Hochschulen, Unternehmen, Kommunen und Bildungseinrichtungen belegen, dass das ein unschlagbarer Vorteil im eLearning-Bereich ist.
Als Anwender profitiert man zudem durch die große Anwender- und Entwicklergemeinschaft, die schnelle und wirkungsvolle Hilfe möglich macht, die Weiterent- wicklungen vorantreibt und unabhängige Kontrolle und transparente Supportstrukturen gewährleistet. Das sichert bleibend hohe Produktqualität, auf die man als Anwender sogar Einfluss nehmen kann.
Konkrete Kostenvorteile
Über die eingesparten Kosten für den Erwerb, Lizenzen, Updates und Provisionen hinaus sagen unsere Nutzer, dass Sie Kosten gespart haben durch die sehr nutzerfreundliche, unkomplizierte Implementierung, die einfachere An- und Einpassung in die vorhandene Softwareinfrastruktur und die verfügbaren kostenlosen Erweiterungen. Viele Studien zu entsprechenden Total Cost of Ownership-Vergleichen bestätigen diese Aussagen mittlerweile eindrucksvoll, wie auch die wachsende Anzahl an Migrationen von kommerziellen zu Open Source eLearning Systemen.
Die weitere Entwicklung
Zurzeit gibt es mehr als 350 proprietäre und Open Source eLearning-Systeme (Plattformen und Werkzeuge) auf dem Markt. Davon wird m.E. nur ein kleiner Teil die kommende Marktbereinigung überstehen. Open Source eLearning-Systeme werden mehrheitlich dazugehören.
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Der Teufel steckt im Detail
von Bernhard Karrasch, Geschäftsführender Gesellschafter, e/t/s didactic media
Open Source-LMS sind in aller Munde. In der Diskussion um ihre Vorteile werden als Hauptargu- mente meist angeführt, dass Anwender unabhängig von Herstellern blieben, nur geringe Kosten entstünden und individuelle Anpassungen ganz einfach vorge- nommen werden könnten. So manches Mal wird dabei suggeriert, dass Anwender den kommerziellen Herstellern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind. Das Gegenteil ist der Fall.
Letztlich landet man bei der gesamten Diskussion immer wieder beim Thema "Zugang zum Quell- code". Die mit der Offenheit ver- bundene Transparenz ist zwar nur für den Entwickler von Bedeutung, dient aber interessanterweise weiten Kreisen als Beruhigungs-faktor. Dass viele kommerzielle Hersteller Quellcodes offen legen, wo dies aus technischen Gründen nötig ist, wird dabei so gut wie nie wahrgenommen.
Software-Produkte, egal ob kommerziell oder quelloffen, sind in der Regel komplex und kaum ein Unternehmen hat die Ressourcen, alle Anpassungen selbst durchzu-führen. Hier ist Service und Support vonnöten. Beim Hersteller erhalten Anwender Entwicklung und Support aus einer Hand, ein Vorteil, den ein Service-Anbieter für Open Source-Systeme so nicht leisten kann.
Im Übrigen bietet dieser seine Services genauso wenig kostenlos an wie der Hersteller. Weiterhin garantieren kommerzielle Anbieter durch die Gewährleistung Verfügbarkeit und Support des Produktes – eine Haftung, die bei Open Source-LMS niemand übernimmt.
LMS sind in vielen Unternehmen keine Insellösungen mehr. Immer häufiger werden sie an kommerzielle unternehmens- kritische Systeme, wie zum Beispiel HR-Systeme, angebunden. Eine solche Anbindung gestaltet sich mit Open Source-Produkten äußerst schwierig.
Die Einführung eines LMS ist in jedem Fall mit Kosten verbunden. Aus diesem Grund muss der Anwender nicht nur die Höhe der Kosten sondern auch die Planungs- sicherheit im Auge behalten. Diese hat er nur bei kommerziellen Produkten, da sie stetig weiterent- wickelt werden und beim Anbieter dafür sowohl die Entwickler-Ressourcen als auch das Know-How zur Verfügung stehen.
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München, Oktober 2005 |
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