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"Es bleibt noch sehr viel zu tun"
Uwe SchöpeBonn, August 2006 – Es gibt noch viel zu tun, um Deutschland fit zu machen für die Informationsgesellschaft. Dazu soll auch das zweite Projekt der Bildungsoffensive 2006 beitragen. Uwe Schöpe, Initiator des Projektes und Geschäftsführer der Bonner Akademie, über bisherige Erfolge und seine Pläne.

Als die Bildungsoffensive 2006 im Herbst 2005 gestartet ist, war gerade das schlechte Abschneiden deutscher Schüler bei der PISA-Studie in der Diskussion. Was hat sich seitdem bewegt?

Uwe Schöpe:
Nach dem ersten entsetzten Aufschrei über die PISA-Ergebnisse hat sich die Situation noch nicht grundlegend verändert. Der Wandel zur Informationsgesellschaft stellt große Anforderungen: Erforschender Wissenserwerb, also das eigenständige Suchen und Finden notwendiger Informationen, sowie die Fähigkeit zu lebenslangem Lernen sind zu grundlegenden Voraussetzungen für den individuellen beruflichen Erfolg und die gesellschaftliche Weiterentwicklung geworden, aber unser Bildungssystem ist bisher nur ungenügend darauf eingestellt.

Gleichzeitig hängt der Zugang zu den modernen Informationsquellen, zu Computerwissen und Internet stark von sozialen Faktoren ab, sodass die Bildungschancen von Kindern mit besser verdienenden Eltern größer sind als die anderer Kinder. Dieser "Digital Divide", die Kluft zwischen sozialer Herkunft und Kompetenzentwicklung, die größere Teile der Bevölkerung von wichtigen Informationsquellen abschneidet, ist auf die Dauer nicht tragbar für ein Land, dass zu den wirtschaftlich stärksten Nationen der Welt gehört.

Die erste Aktion der Bildungsoffensive 2006 konnte da nur ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Nichtsdestotrotz gibt es jetzt schon fast 1.000 EduBook-Besitzer, und das werte ich als großen Erfolg.

Ist der Verkauf von ein paar Notebooks nicht ein viel zu kleiner Beitrag, um in der deutschen Bildungspolitik grundsätzlich etwas zu verändern?

Uwe Schöpe:
Ja, definitiv. Es gibt sehr viel zu tun, und das auf unterschiedlichen Feldern. Derzeit steht im bundesweiten Durchschnitt für elf Schüler ein Computer zur Verfügung – das ist natürlich viel zu wenig. Doch Hardware allein macht noch keine schlauen Schüler. Häufig fehlt es noch an pädagogischen Konzepten, wie so ein modernes Lernmittel überhaupt in den Unterricht an den verschiedenen Schulen, in den unterschiedlichen Fächern einzubinden ist. Und die Lehrer benötigen entsprechende Fortbildungen für einen solchen Unterricht.

Darüber hinaus sind unsere Lehrpläne, die für die Wissensvermittlung vorgesehenen Schulbücher und die vorhandenen Lernprogramme nicht im Einklang miteinander. Und schließlich müssen auch die finanziellen Mittel, die die Bildungschancen von Kindern einkommensschwacher Eltern sichern helfen, bereitgestellt werden. Da wartet auf Wirtschaft, Politik und Pädagogik noch eine Menge Arbeit.

Die Bildungsoffensive 2006 hat nun die mobile Lernstation neu aufgelegt – das EduBook II enthält ein erweitertes Lernsoftwarepaket und umfangreichere Serviceleistungen. Dies ist zunächst einmal unser Angebot für ein einerseits bezahlbares, andererseits didaktisch und qualitativ ausgereiftes Notebook mit sinnvoll zusammengestellten Lernprodukten.

Des Weiteren haben wir im vergangenen Jahr eine sechste Klasse am Thomas-Strittmatter-Gymnasium im baden-württembergischen St. Georgen komplett mit Notebooks ausgestattet. Und diese Klasse wird nicht die einzige bleiben.

Gleichzeitig evaluieren wir die Ergebnisse des Lernens mit dem EduBook langfristig. Unterstützt werden wir dabei von der Schulleitung und der Fachhochschule Karlsruhe, Prof. Dr. Henning. Aus den ersten Ergebnissen heraus haben wir jetzt Fortbildungen für Lehrer konzipiert, die EduBooks im Unterricht einsetzen wollen. Denn auch Lehrkräfte benötigen häufig Unterstützung, wenn es um die Entwicklung von Medienkompetenz geht.

Das heißt, dass sich Ihre Strategie nun verändert?

Uwe Schöpe:
Sie ändert sich nicht, aber wir erweitern sie. Unsere privatwirtschaftliche Initiative wird sich zukünftig beispielsweise auch engagieren, um die Bildungsaktivitäten zum Thema modernes Lernen in Deutschland stärker zu bündeln.

So veranstalten wir im Oktober ein "Gipfeltreffen Bildungsoffensive 2006". Hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Schule werden sich dort über die aktuelle Situation des Bildungswesens verständigen und nach gemeinsamen Wege suchen, um den "Digital Divide" zu schließen. Dabei werden auch die Voraussetzungen dafür thematisiert, wie in Deutschland ein modernes Lernumfeld geschaffen werden kann, damit unsere Kinder den internationalen Anschluss nicht verpassen.

Sind die Preise für das EduBook II mit dem ursprünglichen Ziel der Bildungsoffensive 2006 ("Wir machen Bildung bezahlbar") zu vereinbaren?

Uwe Schöpe:
Wir haben auf das EduBook I zahlreiche Anregungen und Reaktionen erhalten. Um noch besser zu werden, haben wir uns nach diesen Wünschen gerichtet und folgende Veränderungen vorgenommen: das Full-Serivce-Paket hat nun eine Dauer von drei Jahren, das Betriebssystem wurde auf Windows XP Professional aufgerüstet, die Festplatte hat mehr Speicherkapazität und das Softwareangebot wurde erweitert.

So wurde beispielsweise ein Internetführerschein und eine Lernsoftware für das Schreiben mit zehn Fingern ergänzt. Außerdem sind die Fracht- und Verpackungskosten weggefallen. Hinzu kommt, dass das Notebook nicht nur zu Hause genutzt, sondern auch in ein Schulnetzwerk eingebunden werden kann. Das ist eine erhebliche Erweiterung des Leistungsumfangs, wodurch sich der Preis für die mobile Lernstation erhöht hat.

Da unsere Partner aller Produkte sponsern, werden auch die neuen Komponenten extrem preisgünstig weitergegeben. Trotz aller Bemühungen ließ sich dabei aber eine Preiserhöhung nicht vermeiden. Der Preis liegt jetzt bei 1.198 Euro für die Basisvariante und ist damit – trotz des umfassenden Softwarepakets und der Serviceleistungen – immer noch deutlich niedriger als der Durchschnittspreis eines normal ausgestatteten Notebooks gleicher Qualität, das online bestellt wird. Dieser liegt bei 1.438 Euro brutto (Quelle: BFL Leasing GmbH, Mai 2006).

Zusätzlich haben wir eine erweiterte EduBook II-Version im Angebot, mit der wir der Kundennachfrage nach Ergänzungen und mehr Zubehör entsprechen. Diese erweiterte Version auf Basis eines HP Compaq nc8430 mit einer 80 Gigabyte-Festplatte, 1024 MB Arbeitsspeicher und einem 15,4 Zoll-Monitor kostet 1.698 Euro brutto.

Zu der hochwertigen Hardware und dem wertvollen Lernsoftwarepaket kommt hinzu, dass die Bildungsoffensive das komplette Notebook "aus einer Hand" zur Verfügung stellt und dafür gesorgt hat, dass es durch die Vorkonfigurierung sofort in Betrieb genommen werden kann.

Ein dreijähriger Pick up -Service rundet dieses Angebot optimal ab. Stellt man diese Leistungen in Rechnung, so ist der Preis für das EduBook II derzeit nicht zu unterbieten.

Was ist die Motivation der Bonner Akademie, mit der Bildungsoffensive 2006 weiterzumachen?

Uwe Schöpe:
Die Resonanz auf das EduBook I war überwältigend. Viele Firmen sind ungefragt mit der Absicht auf uns zugekommen, unsere Initiative ebenfalls zu unterstützen. Nicht von ungefähr ist unser Bündnis auf mittlerweile 18 Unternehmen angewachsen – und die Tendenz zeigt weiter nach oben. Das war ein deutliches Indiz, das wir auf dem richtigen Weg sind.

Kunden und öffentliche Institutionen haben uns ebenfalls gelobt. Die einhellige Meinung lautete: Alleine könnten wir das nicht schaffen, doch durch die Synergieeffekte und gemeinsame Aktionen minimiert sich der Aufwand für jeden einzelnen Partner. Deshalb werden wir dieses Konzept weiter verfolgen. Und es wird nicht allein bei dem Notebook-Angebot bleiben.
 
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