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Stuttgart, April 2005 - Weblogs spielen als smartes Content Management-System eine immer wichtigere Rolle im eBusiness. Joscha Remus sprach für CHECKpoint eLearning mit dem Unternehmensberater Martin Röll über dieses günstige und transparente Kommunikationstool. Röll hilft Unternehmen dabei, Weblogs, Wikis, Social Software und RSS in ihre Wissensmanagement-Prozesse zu integrieren.
Inwiefern sind Weblogs im eLearning-Kontext interessant?
Martin Röll: Was mich als Berater und Wissensarbeiter bei Blogs und eLearning interessiert sind weniger die formellen Szenarien, sondern das informelle Lernen, weil das eine Schnittstelle zum Wissensmanagement eingeht und verknüpft ist mit der täglichen Arbeit eines Wissensarbeiters.
Das ist etwas, was in den Unternehmen viel zu wenig beachtet wird. Wir haben Seminare und Weiterbildungen – aber wir besitzen schlechte Tools, wie ein Mitarbeiter jeden Tag "just in time" lernen kann. Die Firmenmitarbeiter benutzen den Mail-Client, um sich Links hin- und herzuschicken und speichern sogar ihre Dokumente im Mail-Client. Da sind weder die Prozesse, noch die Tools so effizient, wie sie sein könnten.
Mit wenigen Worten: Was ist ein Blogger?
Martin Röll: Das lässt sich so nicht beantworten: "Ein Blogger" zu sagen, ist nicht trennscharf genug – die Leute benutzen Blogging für sehr viele unterschiedliche Dinge – als Knowledge-Blogs, als persönliche Tagebücher, als Mobile-Blogger usw.
Apropo mobile. Welche Rolle im Distance Learning werden zukünftig die so genannten Mobile-Blogs spielen?
Martin Röll: Spezielle Moblogs werden keine besondere Rolle spielen. Es ist aber wichtig zu sehen, dass Mitarbeiter zunehmend mobiler werden. Sie müssen überall mit ihrem Netzwerk in Kontakt bleiben. Dafür tragen wir heute Notebooks mit uns herum. Blogger sind unterwegs immer auf der Suche nach Konnektivität, weil sie ihr Weblog benutzen, um mit ihrem Netzwerk in Kontakt zu bleiben. Das "mobile bloggen" von unterwegs ist heute noch schwierig, da zum Bloggen eben auch das Lesen anderer Blogs gehört. Man kommt unterwegs leider nicht immer an seine Informationsquellen heran, weil oft das Breitband fehlt.
Die Blogpionierin Lilia Efimova sagt, Weblogs seien technisch einfach, aber sozial komplex. Was ist das für Unternehmen Interessante an dieser Art der sozialen Groupware?
Martin Röll: Jim McGee hat es einmal sehr schön ausgedrückt: Blogging macht unsichtbare Prozesse sichtbar. Das Problem bei Wissensarbeit ist ja, dass viele ihrer Produkte und Zwischenprodukte unsichtbar sind.
Am Ende steht meist ein fertiges Produkt oder eine Entscheidung, aber der Prozess, der dem vorausging, ist nicht sichtbar. Das können Weblogs leisten. Mit ihnen kann man Informationen sammeln, strukturieren und verknüpfen. Der Prozess wird für den Mitarbeiter selbst, aber auch für andere Mitarbeiter sichtbar. Dadurch können sie besser sehen, woran andere arbeiten und es können sich Netzwerke bilden...
In den USA gibt es 25.000 Business-Blogs. In Deutschland höchstens 100. Worin liegen die Vorteile des Bottom-Up-Ansatzes Blogging bei der innerbetrieblichen Kommunikation und wie kann Blogging das eBusiness ergänzen?
Martin Röll: Ein Banker einer größeren Bank erzählte mir neulich, würden sie in ihrer Bank alleine die Google-Abfragen, die die Mitarbeiter täglich durchführen, prüfen, könnte man vermutlich feststellen, dass es mindestens 30 Mitarbeiter gibt, die alle die gleiche Anfrage raus schicken. Alle sammeln die selben Informationen, allerdings unabhängig voneinander! Spannend wäre es jetzt, wenn die Mitarbeiter wüssten, an was die anderen arbeiten, bzw. wonach sie suchen, dann könnten diese intern wesentlich effektiver arbeiten.
Das genau ist etwas, was Blogs können. Informationen sammeln, sichtbar und transparent machen, womit man sich beschäftigt. Man kann auf einer ganz niedrigen Schwelle mit Link-Blogs und Social Bookmarking-Tools beginnen. Es geht dann nicht um lange, textlich wohl formulierte Blogs, sondern um einfache Tools, die Transparenz und Vernetzung fördern. Dieses Dokument, das du gerade gefunden hast, kennen diese und jene Kollegen auch schon. Willst du sehen wer das ist? Willst du mit ihnen kommunizieren?
Wie reagieren die Unternehmen auf das neue Wissenstool Weblog?
Martin Röll: Sie experimentieren vorsichtig damit. Oft sind es einzelne Mitarbeiter, die mit einem Weblog starten, Information festhalten und für ihre Kollegen verfügbar machen. Dann beginnt der nächste ein Weblog und so weiter – schließlich entwickelt sich ein Weblog-Netzwerk. Unternehmen sind gut beraten, ihren Mitarbeiten gute Werkzeuge für ihr persönliches Wissensmanagement und die Kommunikation mit Kollegen bereitzustellen. |
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