Context statt Content
Der Weg von der Content-Produktion hin zu Lernarrangements

Berlin, Juni 2006 - Nach seiner Berufung an die Donau-Universität Krems untersucht Prof. Peter Baumgartner nun in seinem Department für Interaktive Medien und Bildungs-technologien den reflexiven Zusammenhang von Bildung, Medien und Gesellschaft. So liegt es nahe, dass er eLearning als größere Aufgabe begreift und protestiert, wenn er eLearning mit Lernmanagement- systemen (LMS) gleichgesetzt wähnt. "Betrachten Sie eLearning als Großtechnologie wie etwa das Auto, das ohne Straßen, Verkehrsregeln und Tankstellennetz auch nicht viel nützt," veranschaulicht er beispielhaft.

Ebenso zerlegt Baumgartner den Lernprozess in verschiedene Schritte, die unterschiedliche Lehrmethoden nahelegen. "Zu Beginn eines Lernprozesses geht es um die direkte Vermittlung von Orientierungswissen," führt er aus. "Im Zuge des Lernprozesses wird dann die eigene bzw. die Praxiserfahrung immer wichtiger und schließlich mündet das Ganze in die Lernerfahrung durch Interaktion." Auf den Punkt gebracht lässt es sich in der Kette "Kow-that, know-how, Knowing-in-action" zusammenfassen.

Als "Zwischenprodukte" bezeichnet Baumgartner dabei die Phasen von "Erkennen und Tun", dann das "Helfen und Organisieren" das in das "Produzieren und Ablegen" mündet. Betrachtet man diese unterschiedlichen Lernphasen und die dabei auftretenden Bedürfnisse, so wird deutlich, dass etwa der konstruktivistische Ansatz nicht immer hilfreich ist. Generell lässt sich jedoch festhalten, dass allen Phasen dss Lernens kommunikative Prozesse zugrunde liegen.

So findet Baumgartner aus dem derzeit Bestehenden eine fließende Überleitung zur Social Software, die er als "Systeme" bezeichnet, "die die menschliche Kommunikation, Interaktion und Zusammenarbeit unterstützen."

Dabei betont er bei Social Software vor allem die Eigenschaft, Grenzen zu sprengen, gänzlich zu öffnen. "Der Unterschied zwischen einem Newsforum und einem Weblog besteht ja vor allem darin, dass im Blog eine sich selbst formierende Community entsteht, die nicht auf einen definierten Teilnehmerkreis begrenzt ist," erläutert er und fügt hinzu: "So betrachtet zählen Wikis nur bedingt zur Social Software, da sie auch eine geschlossene Gruppenbildung ermöglichen."

Grundsätzlich jedoch sei ein Weblog in einem LMS kontraproduktiv, führte er den Gedanken weiter und auch nicht kompatibel mit institutionellem Lernen. Dennoch sei die Nutzung von Social Software in Seminaren als Methode bzw. als ergänzender Problemzugang durchaus denkbar. Auch als ePortfolio in Studiengängen sei sie möglich. "Allerdings müssen wir dann Studiengänge designen, die auf der Prozessebene liegen und in die neue Leistungsnachweise integriert werden müssten," fügte er hinzu.

Baumgartners Fazit: LMS und Social Software sind zwei verschiedene, doch sich ergänzende Wege. Ihr Einsatz und ihre Anwendung erfordert mehr Vertrauen in die Studenten oder Lernenden. Zwar sei der Lernerfolg bei einer stärkeren Betonung des Kommunikationsprozesses nicht mehr 1:1 messbar, doch steigere er eindeutig die Kompetenz. "Ich habe keine einfache Lösung," schloss Baumgartner seine Ausführungen.

Werfen Sie einen Blick auf die Arbeit am Department für Interaktive Medien und Bildungstechnologien
DRUCKEN