Künstliche Intelligenz in der Schweiz
Bern, Januar 2026 - Im Jahr 2026 wird sich generative KI in neuen Bereichen der Schweizer Gesellschaft verbreiten – von Spitälern und öffentlichen Einrichtungen bis hin zu kleinen und mittleren Unternehmen. Verbesserungen für das Schweizer KI-Modell Apertus sind in Sicht. Auch die technologische Souveränität rückt ganz nach oben auf die politische Agenda.
Das Portal swissinfo.com hat mit Thilo Stadelmann, Professor für KI und maschinelles Lernen an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, über die fünf grössten Fortschritte gesprochen, die 2026 im Bereich der KI in der Schweiz zu erwarten sind.
1. Ein Schweizer KI-Modell, das näher an den Nutzerinnen und Nutzern ist
Die grösste Neuigkeit im Bereich der KI in der Schweiz im Jahr 2025 war Apertus: das erste öffentliche, mehrsprachige und vollständig quelloffene Large Language Model (LLM) des Landes. Es wurde im September eingeführt.
Das LLM wurde im Rahmen der Swiss AI Initiative entwickelt und wird bis 2028 vom Bund mit 20 Millionen Franken finanziert. Auch 2026 wird es mit technischen Verbesserungen und neuen, konkreten Anwendungen im Mittelpunkt der KI-Neuheiten stehen.
2. Schweizer Spitäler testen generative KI mit Patientinnen und Patienten
Im Jahr 2026 wird sich die Swiss AI Initiative auch auf spezialisierte Modelle konzentrieren, die auf Apertus basieren, besonders im medizinischen Bereich.
Im Mai wird das Universitätsspital Lausanne (CHUV) mit dem Test von Meditron beginnen. Meditron ist ein Schweizer LLM, welches das medizinische Personal bei klinischen Entscheidungen unterstützen soll – zunächst in der Notaufnahme.
3. Technologische Souveränität ganz oben auf der Agenda
Technologische Souveränität hat sich in der Schweiz und in Europa im Jahr 2025 von einem Nischenthema zu einer politischen Priorität entwickelt. Dies ist auf ein zunehmend instabiles geopolitisches Umfeld und die Unberechenbarkeit der Trump-Regierung in den Vereinigten Staaten zurückzuführen.
4. Mehr Schutz vor Diskriminierung durch KI
Nach einigem Zaudern über den einzuschlagenden Weg hat die Schweiz beschlossen, kein allgemeines Gesetz zur künstlichen Intelligenz einzuführen, das der europäischen KI-Verordnung ähnelt. Stattdessen will die Eidgenossenschaft das Übereinkommen des Europarats über KI ratifizieren und die nationale Gesetzgebung entsprechend anpassen.
5. Vorbereitungen für den KI-Gipfel 2027 in Genf
2027 wird die Schweiz in Genf den internationalen Gipfel für KI-Massnahmen ausrichten. Diese Veranstaltung unterstreicht das Bestreben des Landes, sich als führend im Bereich der Technologie-Governance zu positionieren.


