Einschätzung

McFit: Performance Support im Cyber-Studio

Wolfgang HanfsteinMünchen, September 2014 - (von Wolfgang Hanfstein, Pink University) Performance Support ist meines Erachtens der Trend in der der Personalentwicklung, der sich am schnellsten und nachhaltigsten durchsetzen wird. Denn guter Performance Support ist das, was Mitarbeitern in ihrem vollbepackten Arbeitsalltag wirklich weiterhilft: Die schnelle Antwort auf im Moment auftretende Problemstellungen. Das reicht von "Wie spreche ich meinen notorisch unpünktlichen Mitarbeiter an?" bis "Wie kann ich im CRM Kunden nach Umsatz filtern?". Und das alles am besten sofort, schnell und da, wo ich gerade bin. Selbstorganisiert und selbstgesteuert.

Lernen ist dabei nicht der Antrieb, sondern der Effekt – und zwar einer, der sich nachhaltig verankert. Denn bedarfsorientiertes Lernen ist Lernen, das dann sofort in die Praxis umgesetzt, also eingeübt wird. Natürlich braucht es dafür Leute mit einem Mindestmaß an Motivation. Aber wer diese Motivation nicht mitbringt, ist auch mit "Zwangsschulungen" nicht zu retten.

Performance Support ist zugegebener Maßen auch mein persönliches Steckenpferd und nicht ganz zufällig auch Kern des Angebotes der Pink University. Dabei werden wir natürlich mit den üblichen Fragen konfrontiert: Wer misst die Performance-Steigerung (das Steckenpferd vieler Personaler)? Wer kontrolliert, ob und wie der Performance Support tatsächlich genutzt wird (das Steckenpferd vieler Controller)? Wer sorgt dafür, dass den Mitarbeitern der richtige Wissens-Stoff verabreicht wird (das Steckenpferd vieler Bildungsalchimisten)?

In diesem Zusammenhang ist mir ein Laden aufgefallen, der im Kontext der digitalen Bildung sonst nicht vorkommt: McFit, die Tiefpreis-Muckibude. Die diskutieren nicht, sondern bieten an. Und statt sich Gedanken über die Messbarkeit zu machen, machen sie Kohle. "Virtuelles Training" heißt das Konzept, mit dem die Macher von McFit jetzt einmal mehr die Fitness-Branche in Aufregung versetzen. Die Idee ist unglaublich einfach – nur hat sich bisher wohl keiner getraut, so etwas umzusetzen.

McFit war und ist radikal. Jetzt geht es den Vorturnern an den Kragen. Denn die kommen jetzt per Video in die McFit-Studios. Einer für alle. MOOCs für Muckis. Klar, warum sollen Trainer Tag für Tag die gleichen Steps und Figuren vormachen? Die Musik kam seit jeher vom Band, jetzt eben auch die Trainer. Skeptiker werden natürlich gewarnt haben: Da geht doch keiner hin, da kann ich mir die Videos ja gleich zuhause anschauen.

Aber wer hat schon zuhause den Platz, im Wohnzimmer herumzutoben? Und wer die Nachbarn, die dabei nicht austicken? Die McFit-Kundschaft wohl eher nicht. Das Konzept jedenfalls scheint zu funktionieren. Von 06:00 bis 23:00 Uhr starten jeweils stündlich oder gar halbstündlich Videosessions mit Namen wie "Body Shape", "Rhythm ‘n Dance" und "Sixpack". Dazu versammelt sich, wer Mitglied ist, unangemeldet in den sogenannten Cybertraining-Räumen. Neben dem Platz und dem virtuellen Trainer setzt McFit auf das auch ohne Life-Trainer entstehende Gemeinschaftsgefühl, "es wird gelacht, man schwatzt – auf einmal ist die Puste wieder da."

Damit macht McFit einen Haken hinter Lernformen, die im HR und PE- Bereich heißer diskutiert als angewendet werden:

  • Selbstgesteuertes Lernen: Die Kursteilnehmer kommen auf eigenen Wunsch und nach eigenem Zeitplan
  • Selbstorganisiertes Lernen: Die Kursteilnehmer suchen sich die Trainings aus, die sie am besten zu ihren selbstgesteckten Zielen führen (Sixpack, Fitness, Beweglichkeit …)
  • Social Learning: Durch das gemeinsame Trainieren können die Teilnehmer voneinander lernen und sich natürlich vorher und nachher besprechen. Die gemeinsame Erfahrung verbindet – auch auf Facebook
  • Einsatz von Multimedia: Bewegtbild und Musik schaffen eine inspirierende Trainingsatmosphäre
  • Blended Learning: Eine innovative Form des Blended Learning – Präsenztraining und virtuelles Training zur gleichen Zeit.
  • Performance Support: McFit stellt seinen Mitgliedern gute Trainer (virtuell) zur Verfügung – zu fast jeder Tages- und Nachtzeit.

Ob das Ganze nun unter die Kategorie formelles oder informelles Lernen fällt, darüber kann man streiten. Sicher ist: Die Teilnehmer schätzen die klassische Instruktion, holen sich diese Instruktion nach Bedarf und setzen das Gelernte sofort schweißtreibend in die Tat um. Formell-informell sozusagen.