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| Dialog | PRINT | | Aufgabenstellungen klar und verständlich halten |
Bremen/Berlin, August 2009 - Über die Frage, welchen Stellenwert Lernhilfen heute einnehmen, diskutierte CHECK.point eLearning-Mitarbeiterin Prem Lata Gupta mit dem Wissenschaftler und Grundschullehrer Falko Peschel und Hans Schmalacker, der seit Jahren Lernhilfen produziert. Peschel verficht einen konsequent Offenen Unterricht, der ohne Lehrbücher auskommt und trotzdem gute Lernerfolge erzielt. Hans Schmalacker ist Redaktionsleiter des Bereichs Lernhilfen im Cornelsen Verlag. Beide haben Kinder.
Müssen Schüler heute funktionieren, damit sie nicht die Verlierer von morgen sind?
Falko Peschel: Ja und nein. Ja, weil das Ziel ein Zettel ist, auf dem "Abiturzeugnis" steht. Nein, weil unsere Gesellschaft Menschen braucht, die mehr können als nur zu funktionieren. Noch immer sind Zensuren maßgeblicher Bestandteil unseres Schulsystems, dabei gilt es eher Kompetenzen zu vermitteln.
Hans Schmalacker: Der Schulerfolg soll stattfinden, dennoch ist auch Reibung wichtig. Bestimmt hat sich der Druck erhöht. Inzwischen sind Eltern bereits verzweifelt, wenn es bei der Empfehlung auf Realschule statt Gymnasium hinausläuft.
Es kommen immer mehr Lernhilfen heraus. Parallel dazu entsteht der Eindruck, dass ein zunehmend hoher Prozentsatz der Kinder wegen Teilleistungsstörungen oder Konzentrationsschwierigkeiten in Ergo-Therapien gefördert wird...
Falko Peschel: Ich halte das zum großen Teil für einen Markt. Viele dieser Kinder sind nicht krank. Wir messen die falschen Dinge und die auch noch zum falschen Zeitpunkt. Beinahe alle Kinder werden mit sechs Jahren eingeschult. Manche von ihnen sind jedoch von ihrer Entwicklung ein, zwei Jahre hinterher, andere sind weit voraus.
Hans Schmalacker: Wer mit Lehrern spricht, gewinnt den Eindruck, dass sich im Vergleich zu früher die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder etwas verkürzt hat. Dass es einen Bedarf gibt, Sprache und Ausdrucksfähigkeit zu fördern.
Eigenartigerweise können sich dieselben Kinder jedoch bei einem Computerspiel lange konzentrieren oder sie sind hoch motiviert, das nächste Level zu erreichen.
Hans Schmalacker: Ehrgeiz können Kinder immer entwickeln, das gilt auch für außerschulische Bereiche wie beispielsweise beim Sport. Und elektronische Medien sind heute Teil der Umwelt, in der Kinder aufwachsen.
Falko Peschel: Vielleicht sind Kinder ja auch engagiert bei einem Computerspiel, weil sie dabei mehr bestimmen können als bei einer traditionellen Aufgabenstellung in der Schule. Genau dieses Selbstbestimmen gehört aber auch zum Konzept des Offenen Unterrichts, wenn Kinder aus eigenem Antrieb Geschichten schreiben, Vorträge halten oder Power-Point-Präsentationen ausarbeiten dürfen.
Was aber, wenn ein Kind eine Mathe-Aufgabe nicht verstanden hat oder vielmehr das Lösungsprinzip? Warum liefern Lernhilfen detailliertere Erklärungen als Schulbücher?
Hans Schmalacker: Lernhilfen funktionieren anders als Schulbücher. Letztere ergänzen den Unterricht und die Ausführungen des Lehrers. Die Maßgabe an die Autoren unserer Lernhilfen ist, die Aufgabenstellung klar und verständlich zu halten. Der Schüler sollte ohne dauernde Hilfestellung damit arbeiten können. Auch soll das ganze ansprechend präsentiert werden.
Falko Peschel: Und doch ist es etwas anderes, wenn ein Kind nicht kleinschrittig an einen vorgegebenen Lösungsweg herangeführt wird, sondern wenn es individuell das Ziel findet. Zum Beispiel ein Prinzip begreift, indem es sich mathematische Aufgaben selbst ausdenken darf. Da werden ganz andere Impulse vermittelt. Ehrliche Ergebnisse etwa in Diktaten erzielt man nur mit freien Texten oder wenn es um noch nicht geübte Wörter geht. Sonst hat man höchstens die Gewissheit, dass ein Kind bereits Bekanntes auswendig gelernt hat.
Wo liegen die Chancen, wo die Grenzen einer Lernhilfe?
Hans Schmalacker: Je nach Konzeption: Manche Lernhilfen stellen einen Begleiter für das gesamte Schuljahr dar und fungieren auch als Nachschlagewerk. Andere eignen sich, um punktuell einzelne Themen nachzubearbeiten – etwa wenn ein Kind noch nicht sattelfest ist auf einem Gebiet. Darum haben ja auch Lösungshefte eine wichtige Funktion. Da kann das Kind dann selbst einen Haken dran machen – und braucht nicht auf die Rückmeldung des Lehrers zu warten.
Eine Lernhilfe allein jedoch reicht nicht, wenn Schulprobleme bereits massiv sind, sich also in Fünfen manifestieren. Besser ist es früher anzusetzen, etwa wenn ein Kind erst eine Zwei als Note hatte und als nächstes eine Vier schreibt.
Falko Peschel: Aber solch einen Leistungsabfall gibt es doch nicht wirklich innerhalb weniger Wochen. Überhaupt halte ich nichts von dieser Zahlenarithmetik, wo aus drei Klassenarbeiten dann die Zeugniszensur errechnet wird. Als Lehrer weiß ich jeden Tag, wo ein Kind leistungsmäßig steht. Und bei einer engen Kommunikation zwischen Lehrern und Eltern gibt es dann am Zeugnistag auch keine Überraschungen. Statt dessen suche ich sofort das Gespräch und vermittle frühzeitig, dass ein Schüler gerade unter seinen Möglichkeiten bleibt.
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