Trendprognose aus den USA

80 neue Technologien werden das eLearning prägen

Stuttgart/Berlin, Dezember 2010 - (von Kirsten Seegmüller) Renommierte Marktforschungs- und Beratungsunternehmen in den USA wie etwa Brandon Hall, Bersin & Associates, Gartner und das New Media Consortium haben ihre Learntrendprognosen 2011 abgegeben. Sie sagen vor allem einen Boom beim mobilen und kooperativen Lernen für das kommende Jahr voraus. Lernmanagementsysteme (LMS) müssen sich darauf einstellen und entsprechende virtuelle Klassenzimmer und Lernräume integrieren.




Lernmanagementsysteme (LMS)


Bersin & Associates findet, dass LMS neben den klassischen Features wie etwa Terminplanung, Reporting, Workflow-Management und eCommerce auch Möglichkeiten bieten muss, in sozialen Netzwerken gemeinsam zu lernen, Wissen selbst zu publizieren und zu teilen, und sich in virtuellen Klassenzimmern auszutauschen. Durch das Ersetzen und Zusammenführen älterer Systeme durch neue Technologien rechnet das Marktforschungsunternehmen mit einem jährlichen Marktwachstum von circa acht bis zwölf Prozent. Auch Software-as-a-Service (SaaS) spielt hier eine Rolle.


Brandon Hall betont, dass LMS zwar das Lernen am Arbeitsplatz revolutioniert habe, dass aber viele Unternehmen bis vor kurzem auf Basis von Papiermaterial lernten. Manche haben eLearning inzwischen mit großem Erfolg integriert, andere hatten damit ihre Probleme, und einige denken jetzt erst darüber nach, sich eine Lernplattform anzuschaffen. Gleichzeitig haben die Anbieter ihre LMS weiterentwickelt und neue Features integriert.


Mobile Learning


Beim Mobile Learning beobachtet Bersin & Associates eine Beschleunigung: Nach einer langjährigen, langsamen Entwicklung wächst der Markt jetzt sehr schnell. Accenture beispielsweise hat festgestellt, dass die mobile Version ihrer Kurse drei- bis viermal so häufig genutzt wird wie die PC-basierten Programme. Mit Tools wie etwa LearnXact oder Intuition müssen Autoren den Content nur noch einmal erstellen und können ihn dann fast unverändert auf mobilen Endgeräten zur Verfügung stellen. Bersin & Associates schätzt, dass sich in den nächsten drei Jahren der Umfang des mobilen Contents - etwa für das iPad - verzehnfachen wird.


Brandon Hall bestätigt: Mobiles Lernen wird zwar seit zehn Jahren diskutiert, aber erst jetzt umgesetzt. Das liegt daran, dass man früher versucht hatte, klassischen Content auf kleine Endgeräte zu übertragen. Heute dagegen wird Content gezielt auf mobile Anwendungen angepasst. Dazu gehören beispielsweise mobile Lernspiele, Augmented Reality, Location-based Services, Collaboration Software und mobiler Support. Brandon Hall rechnet damit, dass in den kommenden Jahren mehr als 50 Content-Formate und 80 neue Technologien das eLearning prägen werden.

Social Software


Die Marktforschung von Brandon Hall hat ergeben, dass viele Unternehmen Social Learning in Ihre LMS mit aufnehmen - wie etwa Blogs, Wikis, Tags, Bookmarks, Teamkalender und vieles mehr. Durch die verstärkte Nutzung von Web 2.0 in der Weiterbildung verlagert sich der Schwerpunkt weg vom Individualtraining hin zum Collaborative Learning. Durch das gemeinsame Lernen wird in den Unternehmen viel neues Wissen generiert, das sich zu einer kollektiven Intelligenz entwickelt.


Bersin & Associates zeigt anhand seiner Umfragen, dass fast alle Unternehmen auf den Zug aufspringen und ihren Mitarbeitern Social Software anbieten, um die klassische Weiterbildung zu ergänzen. So können die Schulungsteilnehmer vor, während und nach den Trainings ihre Erfahrungen austauschen. Dabei handelt es sich meist um kursbezogene virtuelle Räume.


Laut Gartner gehören Social Learning und Social Networking zusammen: Der Marktforscher rät allen Unternehmen, Strategien und Anwendungen zu entwickeln, die das gemeinsame Lernen und Arbeiten ermöglichen. Die Top-10-Liste der Gartner-Umfrage wird sich von 2010 auf 2011 stark verändern: Mobile Anwendungen beispielsweise springen von Platz 10 auf Platz 2 der wichtigsten Technologien für das kommende Jahr. Social Communication und Collaboration sind erstmals vertreten und landeten sofort auf Platz 5.






















Video (Platz 6) hat sich in den Unternehmen inzwischen durchgesetzt, da es zahlreiche Tools auf dem Markt gibt, mit denen sich kostengünstig Videos erstellen lassen. Außerdem eignen sich Videos dazu, jüngere Lerner anzusprechen. Durch den steigenden Umfang benötigen die Unternehmen künftig Video Content Management.

Weitere Trends


"Innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre werden eBooks die klassischen Textbücher in Hochschulen verdrängen", ist Larry Johnson überzeugt. Er ist CEO des New Media Consortium, das den Horizon Report herausgibt. EBooks lösen gleich mehrere Probleme: Zum einen sind sie leichter und billiger als das Papiermaterial, zum anderen können Autoren Simulationen, Animationen, Videos, Farbfotos und vieles mehr integrieren, was bei Printmaterial nicht möglich oder zu teuer ist. EBooks lassen sich zudem besser an den Lernbedarf der Studierenden anpassen.


Dort lässt sich auch Augmented Reality umsetzen - also Lernen mit Avataren. Studierende können leichter gemeinsame Feldversuche durchführen und unter Laborbedingungen virtuell gefährliche Experimente durchführen. Auch Serious Games greifen zunehmend auf Avatare zurück. Sie werden künftig mit Hilfe von Gestik statt Tastatur und Maus gesteuert. Intuitive Benutzerschnittstellen verringern die Hürden zwischen Mensch und Maschine, denn sie orientieren sich an den natürlichen Bewegungen. Bereits jetzt nehmen die User lieber ein iPad als ihr Notebook für unterwegs mit. Nur für das Schreiben gibt es noch keine effiziente Lösung.