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Campus Management nach Bologna

Hannover, März 2006 - Der Bologna-Prozess mit seinen neuen Bachelor- und Masterstudiengängen stellt besondere Herausforderungen an das IT-Management von Hochschulen. Am gestrigen Microsoft-Hochschultag auf der CeBIT informierten sich Vertreter aus Hochschule und Politik in einer Vortragsreihe unter anderem zu dem Thema "Wie finde ich das richtige Campus-System und wie führt es meine Alma Mater sicher durch eine Vielzahl von neuen Studien- und Prüfungsordnungen?"

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Groß war der Andrang von Vertretern deutscher Hochschulen, die sich über neue Möglichkeiten des Campus Managements im Angesicht von Bologna informieren wollten. Denn das Thema brennt vielen unter den Nägeln. Lucia Vennarini, Leiterin des Bereichs Lehre im Planungsdezernat der RWTH Aachen, brachte das Hauptproblem auf den Punkt: "Wir können unsere Hochschulen in Zukunft nicht mehr mit Insellösungen managen. Was wir brauchen, ist eine Brücke zwischen Veranstaltungs- und Prüfungswelt."

Denn in den neuen Bachelor- und Master-Studiengängen werden Leistungen studienbegleitend nach dem European Credit Transfer System (ECTS) erfasst. Das bringt zwar langfristig Einheitlichkeit in den europäischen Hochschulraum, was auch die Wirtschaft begrüßt. Für die Verwaltung bedeutet es jedoch eine gewaltige Herausforderung, die neue Vielzahl von Kursen und Prüfungen zu managen. Die RWTH hat derzeit mehrere Systeme im Einsatz. In einem groß angelegten Projekt arbeitet sie daran, diese über geeignete Schnittstellen miteinander zu verknüpfen.


Die Dienstleistung steht im Vordergrund


Einen anderen Weg gehen die AKAD Privat-Hochschulen. Deren Geschäftsführer Harald Melcher beschrieb in seinem Vortrag die Vorteile einer integrierten Lösung. Im Unterschied zu staatlichen Hochschulen studieren 95 Prozent der 8.500 AKAD-Studenten berufsbegleitend und - von kurzen Präsenzphasen abgesehen - am heimischen PC. "Wir wollen unseren Kunden ein sehr individualisiertes Studium ermöglichen", sagt Melcher. "Der Dienstleistungscharakter steht für uns klar im Vordergrund."

Bei AKAD wird deshalb ab dem kommenden Jahr CampusNet von den Hamburger Datenlotsen alle wesentlichen Campus-Management-Funktionen übernehmen - von der Veranstaltungsplanung über die Online-Anmeldung bis zur Organisation der Prüfungen. Daneben existieren dann nur noch die Finanzbuchhaltung, ein Logistiksystem für den Versand von Schulungsunterlagen und die so genannte Virtuelle Hochschule, das Web-Portal der Universität. Diese drei beziehen einen Großteil ihrer Daten aus CampusNet.


Ziel ist es, auf diesem Weg alle Prozesse möglichst effektiv miteinander zu verknüpfen und die Studierenden optimal zu betreuen. Melcher spricht von "Customer Relationship Management" - Studierende als Kunden zu sehen ist für ihn selbstverständlich. Das weckte am Hochschultag großes Interesse bei den Kollegen, die an ihren Hochschulen oft noch mit sehr heterogenen Systemen arbeiten. Doch Melcher war nicht der einzige Teilnehmer, der für integrierte Lösungen plädierte: Im Publikum saß Holger Fischer, Vize-Präsident der Universität Hamburg. Seine Hochschule mit ihren rund 40.000 Studierenden führt CampusNet zum kommenden Wintersemester ein. Viele Kollegen von anderen Hochschulen nutzten die Gelegenheit, sich nach dem Stand dieses Projektes zu erkundigen.


Die Hochschulen in der Beweispflicht


Auch die neue Mobilität der Studierenden war ein Thema auf dem Hochschultag. Peter Reckers, Leiter der Verwaltungs-EDV an der Universität Kassel, sagte dazu: "Viele unserer Studenten absolvieren Praktika im Ausland. Die neuen Bachelor-Studiengänge schreiben Praxis- und Auslandssemester zum Teil sogar zwingend vor. Also sind wir auch verpflichtet, bürokratische Hürden aus dem Weg zu räumen und den Studenten zu ermöglichen, sich von jedem Ort aus mit ihrer Hochschule in Verbindung zu setzen."


Im Klartext: Studierende sollen sich online Vorlesungsverzeichnisse herunterladen, sich zu Veranstaltungen anmelden und Prüfungsergebnisse einsehen können. Auch das ist am leichtesten mit einem integrierten System denkbar, das Veranstaltungs- und Prüfungsdaten zusammenführt. Michael Lent, Prorektor der Fachhochschule Niederrhein in Krefeld, sieht die Hochschulen dabei sogar "eindeutig in einer Beweispflicht gegenüber den Studierenden." Nämlich zu beweisen, dass sie den Studenten die Leistung bieten können, die diese - insbesondere wenn sie Studiengebühren zahlen - mit gutem Recht erwarten können.